Atelier, Klang und die hundert Sprachen des Denkens – das dritte Semester neu gedacht.

Atelier, Klang und die hundert Sprachen des Denkens: Ab August 2026 verbindet die Fröbel Akademie Berlin im dritten Semester erstmals Reggio-Pädagogik, ästhetische Bildung und Musikpädagogik. Studierende können dabei bereits während ihrer Ausbildung das Zertifikat „Atelierista“ erwerben und ihre Kompetenzen in kreativer Bildungsarbeit, ästhetischer Forschung und musikalischer Praxis vertiefen.

Ab August 2026 wird das dritte Semester an der Fröbel Akademie Berlin neu gestaltet. Dabei werden die Expertisen des Atelierista-Kurses zur Reggio-orientierten Bildungsarbeit der Fröbel Akademie und des Fröbel-Musikkindergartens Daniel Barenboim zur Bildung durch Musik systematisch in das Curriculum eingebunden. Erstmals verbinden sich so die Perspektiven der Reggio-Pädagogik, der ästhetischen Bildung und der Musikpädagogik zu einem gemeinsamen Lern- und Erfahrungsraum.

Ein weiterer Meilenstein: Erstmals können Studierende bereits während ihres Fachschulstudiums zusätzliche Leistungsnachweise erwerben und damit das Zertifikat „Atelierista“ erlangen. Die Fröbel Akademie eröffnet damit einen Bildungsweg, der pädagogische Professionalität, ästhetische Forschung und kreative Praxis auf besondere Weise miteinander verbindet.

Mit dem Atelierista-Zertifikat erwerben die Studierenden vertiefte Kompetenzen in der ästhetischen Bildung, in der Gestaltung von Forschungs- und Lernprozessen sowie in der Dokumentation und Interpretation kindlicher Bildungswege. Sie qualifizieren sich dafür, kreative Lernumgebungen zu entwickeln, Bildungsprozesse sichtbar zu machen und pädagogische Teams bei der Gestaltung einer forschenden und partizipativen Bildungskultur zu unterstützen.

Wann wird eine Fläche zum Atelier?

Diese Frage steht am Anfang des neuen Vertiefungsschwerpunkts Reggio-orientierte Bildungsarbeit. Sie ist Programm. Sie ist Haltung.

Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, die zum Kern von Reggio gehört: Das Atelier ist kein physischer Ort. Es ist eine Haltung – eine Weise, Welt wahrzunehmen. Fragen offen zu halten. Materialien zu befragen. Entscheidungen sichtbar zu machen. Beziehungen zu gestalten.

Und: Sprache ist nicht Stilistik. Sprache ist Denken. Jede Ausdrucksform – Bild, Klang, Bewegung, Geste, Material – ist eine Sprache, in der sich Denken ereignet. La Libertà – der Film, in dem Kinder in Reggio Emilia über Freiheit sprechen und so zeigen, dass Sprache kein Abbild von Gedachtem ist, sondern das Denken selbst in Bewegung bringt – steht dafür als erster, bleibender Bezugspunkt. So wie alle Texte und Materialien, die im neuen dritten Semester im Zentrum stehen.

In elf Passagen spannt das Curriculum einen inhaltlichen Bogen: von der grundlegenden Frage – Wann wird eine Fläche zum Atelier? – bis zur Projektarbeit im Territorio: dem Umfeld, der Nachbarschaft, der Stadt als Lernpartner. Dazwischen: Das Unsichtbare sichtbar werden lassen. Im Kontakt sein. Gesten der Poesie und Poesie der Gesten. Architektur und Material als Einladung. Den Spuren des Denkens folgen – Dokumentieren als Philosophieren.

Begleitet werden diese Erfahrungen durch die Auseinandersetzung mit den Ideen prägender Persönlichkeiten der Reggio-Pädagogik wie Vea Vecchi, Carlina Rinaldi und Loris Malaguzzi, aber auch mit Denkansätzen, die – ganz im Geiste Reggios – über Reggio hinausführen, etwa von Roland Barthes, Aby Warburg oder Georges Didi-Huberman.

Listening – die Kunst des Zuhörens und Antwortens

Eine pädagogische Grundhaltung trägt das gesamte Semester: Listening – das aufmerksame, forschende Wahrnehmen der vielfältigen Ausdrucksformen von Kindern. Listening meint weit mehr als das Hören von Worten. Es umfasst Gesten, Blicke, Bewegungen, Klänge, materielle Spuren – alles, worin sich kindliches Denken zeigt. Und es meint die Bereitschaft, darauf mit pädagogischer Sensibilität und fachlicher Reflexion zu antworten.

Ein didaktisches Prinzip trägt alle elf Passagen: Theorie als Resonanz auf reflektierte Praxis. Theoretische Inhalte entstehen nicht vorab, sondern als Verständigungsangebot im Anschluss an gemeinsame praktische Erfahrung. Ko-Konstruktion von Wissen wird nicht nur thematisiert – sie wird vollzogen.

Die hundert Sprachen des Klangs

Klang ist eine Sprache. Und wie jede Sprache lässt er sich übersetzen – in Bild, Bewegung, Material, Raum. Was geschieht bei dieser Übersetzung? Was wird durch diese Übersetzung sichtbar, was vorher nicht bewusst war?

Für diesen Schwerpunkt bringt die Fröbel Akademie Berlin eine besondere Expertise ein: Die Erfahrungen und das Wissen aus dem Fröbel-Musikkindergarten Daniel Barenboim fließen unmittelbar in die Ausbildung. Was dort täglich gelebte pädagogische Praxis ist – Musik als Bildungsraum, als Beziehungsform, als Weltbegegnung –, wird in der Akademie zum Gegenstand professioneller Reflexion und Qualifizierung.

Ästhetische Bildung durch Musik wird dabei als Möglichkeit verstanden, die Welt wahrzunehmen, Beziehungen zu gestalten und Erfahrungen auszudrücken. Musik ist kein isoliertes Fach, sondern Teil eines umfassenden ästhetischen Bildungsverständnisses: Klang tritt in Beziehung zu Tanz und Bewegung, zum bildnerischen Gestalten, zur Sprache und zur Arbeit mit Materialien. So werden die vielfältigen ästhetischen Sprachen erfahrbar – und ihre Wechselwirkungen sichtbar.

Im gemeinsamen Musizieren, Hören, Erfinden und Improvisieren erleben die Studierenden Musik als eine Form ästhetischer Forschung: wie musikalische Prozesse Aufmerksamkeit fördern, Resonanz erzeugen und neue Formen des Denkens, Wahrnehmens und Kommunizierens eröffnen.

Grenzen überschreiten

Das neue dritte Semester der Fröbel Akademie Berlin ist mehr als ein überarbeitetes Curriculum. Es ist eine Einladung: in ein Denken, das Grenzen zwischen Künsten, Disziplinen und Ausdrucksformen als produktive Schwellen versteht – und das Lernen selbst als ästhetische Erfahrung begreift. Leitend ist dabei ein Bildungsverständnis, das Kinder als kompetente, forschende, sinnstiftende Menschen begreift – und das von pädagogischen Fachkräften verlangt, genau diese Haltung selbst zu verkörpern.