Zu Gast bei Nándor Angstenberger und Mirjam Martino wurde spürbar, wie besonders es ist, ein Atelier betreten zu dürfen: einen Raum, in dem sich künstlerische Prozesse einschreiben, Materialien Spuren tragen und Entscheidungen, Zweifel, Verdichtungen und Neubeginne sichtbar bleiben. Dabei wurde deutlich, wie eng Raum und Kunstschaffen zusammenhängen und sich gegenseitig spiegeln. In der Begegnung mit Räumen, Materialien, Arbeiten und künstlerischen Haltungen zeigte sich, was den Kurs von Beginn an begleitet: Das Atelier ist vor allem Haltung – ein Mindset des Wahrnehmens, Fragens, Arrangierens, Verwerfens, Neu-Verbindens und Weiterdenkens. Gerade in der Differenz der beiden Ateliers zeigte sich, was ein Atelier auszeichnen kann. Die Räume entfalteten jeweils eine eigene Atmosphäre, Materialität, Ordnung, Dichte, Offenheit und Spur. Darin lag auch ihre gemeinsame Kraft: Beide Ateliers machten sichtbar, dass künstlerische Arbeit in einer Aufmerksamkeit für Prozesse, Beziehungen, Zwischenzustände und Materialien lebt, die zurücksprechen.
Für die Teilnehmenden des Zertifikatskurses waren die Besuche deshalb mehr als eine Exkursion. Sie wurden zu einer pädagogisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit einer grundlegenden Frage: Wann wird eine Fläche zum Atelier? Vielleicht genau dann, wenn sie sich als Arbeitsfläche, Versuchsanordnung, Denkraum und Einladung zur Ko-Autorschaft öffnet. Wenn Materialien befragt werden, Ordnungen entstehen und Offenheit Bedeutung gewinnt.
An diese Frage knüpft auch ein zentraler Gedanke des Kurses an: Das Atelier ist kein fest umrissener Ort. Es kann sich an einem Tisch, in einer Materialanordnung, in einem Zwischenraum, in einer Geste des Arrangierens oder im sorgfältigen Blick auf ein Detail ereignen. Entscheidend ist die Haltung, mit der Menschen, Dinge, Fragen und Materialien zueinander in Beziehung gesetzt werden. So verstanden ist das Atelier eine Form des Denkens, die Welt als offen, antwortend und gestaltbar zu erfahren. Vielleicht liegen die Fragen darin, wann aus einer Fläche ein Atelier wird, wann aus einem Moment eine Möglichkeit und aus einem Nebeneinander ein Miteinander wird – und wie wir diesen Atelier-Geist als Haltung in unsere pädagogische Praxis weitertragen.