Perspektiven wechseln, Vielfalt verstehen: Fröbel Akademie kooperiert mit der Gesellschaft für Europabildung

Erasmus+-Aufenthalte ermöglichen Studierenden, pädagogische Praxis im Ausland kennenzulernen – und das vermeintlich Selbstverständliche neu zu betrachten

Was geschieht, wenn pädagogische Fachkräfte ihren vertrauten Alltag für einige Wochen verlassen und in einer Einrichtung im Ausland mitarbeiten? Andere Sprachen, Routinen und Vorstellungen von Bildung werden erfahrbar. Gewohnte Annahmen geraten in Bewegung. Was im eigenen Umfeld selbstverständlich erscheint, kann andernorts ganz anders verstanden und gestaltet werden.

Um Studierenden solche Erfahrungen zu ermöglichen, kooperiert die Fröbel Akademie Berlin mit der Gesellschaft für Europabildung. Die Gesellschaft begleitet und organisiert im Rahmen von Erasmus+ geförderte Aufenthalte in der beruflichen Bildung. Studierende können dadurch Teile ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren und ihren vorgeschriebenen Fremdeinsatz mit einer europäischen Lernerfahrung verbinden.

Den eigenen Blick zum Gegenstand des Lernens machen

Ein Auslandsaufenthalt vermittelt nicht nur Kenntnisse über ein anderes Land oder Bildungssystem. Er schafft die Gelegenheit, den eigenen Blick zu hinterfragen: Welche Vorstellungen von Kindheit, Familie, Lernen und Zusammenleben prägen mich? Welche pädagogischen Abläufe halte ich für selbstverständlich? Und wie verändern sich meine Einschätzungen, wenn ich anderen Formen des Alltags und der Bildungspraxis begegne?

Diese Fragen sind für professionelles pädagogisches Handeln zentral. In Krippen, Kindergärten und Horten kommen Kinder und Familien mit unterschiedlichen Sprachen, Erfahrungen, Traditionen und Selbstverständnissen zusammen. Kultursensitive Pädagogik verlangt deshalb mehr als Wissen über vermeintlich feststehende kulturelle Unterschiede. Sie setzt die Bereitschaft voraus, eigene Deutungsmuster zu prüfen, Familien zuzuhören und unterschiedliche Lebensweisen nicht vorschnell nach den Maßstäben des Vertrauten zu bewerten.

Familienkulturen brauchen Raum im pädagogischen Alltag: in Gesprächen und Beziehungen, in Büchern und Bildern, in Festen, Materialien, Speisen und Musik – und vor allem in der Frage, wer mit seinen Erfahrungen und Ausdrucksformen sichtbar wird und an Entscheidungen beteiligt ist. Vielfalt wird dort zur Bereicherung, wo Unterschiede weder unsichtbar gemacht noch auf vereinfachende Zuschreibungen reduziert werden.

Kultursensitive Bildungsarbeit als Querschnittsaufgabe

Kultursensitive Bildungsarbeit gehört zu den curricularen Schwerpunkten der Fröbel Akademie und zieht sich als Querschnittsaufgabe durch das Fachschulstudium. Einen wichtigen fachlichen Bezug bildet das von Jörn Borke und Heidi Keller beschriebene Modell der Autonomieorientierung und der sozialen Verbundenheit. Es macht verständlich, dass Vorstellungen von guter Kindheit und Erziehung unterschiedlich geprägt sein können. Während in stärker autonomieorientierten Kontexten häufig Selbstständigkeit, individuelle Entscheidungen und der Ausdruck persönlicher Bedürfnisse im Vordergrund stehen, erhalten in stärker verbundenheitsorientierten Kontexten die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, geteilte Verantwortung und die Orientierung an sozialen Beziehungen ein besonderes Gewicht.

Diese Orientierungen sind keine starren Gegensätze und erlauben keine einfachen Rückschlüsse auf einzelne Menschen oder Familien. In der Lebenswirklichkeit finden sich vielfältige Verbindungen, Abstufungen und Veränderungen. Für angehende pädagogische Fachkräfte bietet das Modell deshalb keine Schablone, sondern ein Werkzeug zur Reflexion: Welche Vorstellungen leiten mein eigenes Handeln? Welche Erwartungen richte ich an Kinder und Familien? Und wie kann pädagogische Praxis so gestaltet werden, dass unterschiedliche Bedürfnisse nach Autonomie und Verbundenheit wahrgenommen und berücksichtigt werden?

Ein Auslandsaufenthalt kann diese Auseinandersetzung vertiefen. Wer pädagogische Praxis in einem anderen gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld erlebt, begegnet nicht nur neuen Methoden. Auch vertraute Vorstellungen von Selbstständigkeit, Gemeinschaft, Kommunikation, Verantwortung und der Zusammenarbeit mit Familien werden vergleichbar – und dadurch neu befragbar.

21 Sprachen an der Fröbel Akademie

An der Fröbel Akademie werden 21 Sprachen gesprochen: Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Russisch, Arabisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Türkisch, Mongolisch, Georgisch, Koreanisch, Portugiesisch, Mandarin, Taiwanesisch, Swahili, Luganda, Usbekisch, Ewe, Albanisch und Ungarisch. Mehrere Studierende sind von Beginn an mit mehr als einer Sprache aufgewachsen.

Diese Mehrsprachigkeit ist mehr als eine statistische Besonderheit. Sprachen sind Ausdruck unterschiedlicher Erfahrungen und Weisen, die Welt wahrzunehmen, zu ordnen und zu denken. Mit jeder Sprache gelangen deshalb auch Erinnerungen, Bedeutungen und Perspektiven in die Lerngemeinschaft. Für das Fachschulstudium entstehen daraus konkrete Anlässe, voneinander zu lernen und die eigenen Vorstellungen zu erweitern.

Erasmus+ während und nach dem Fachschulstudium

Mit dem Programm „Europa entdecken“ unterstützt die Gesellschaft für Europabildung Auslandspraktika während der Ausbildung. Aufenthalte sind grundsätzlich in den Erasmus+-Zielländern möglich; in begründeten Fällen kommen weitere Länder infrage. Studierende können ihren Aufenthalt als sogenannte Free-Mover weitgehend selbst organisieren oder die Unterstützung einer Partnerorganisation vor Ort nutzen.

Wer mit einer Partnerorganisation reist, kann unter anderem Unterstützung bei der Suche nach einer Unterkunft und einem geeigneten Praktikumsplatz erhalten. Hinzu kommen Vorbereitung, sprachliche Begleitung, Betreuung während des Aufenthalts und eine Notfall-Erreichbarkeit. Die geförderten Zuschüsse richten sich nach Reiseziel und Dauer. Bei selbst organisierten Aufenthalten werden sie als Pauschalen für Reise und Aufenthalt ausgezahlt. Die genauen Bedingungen und Förderbeträge richten sich nach den jeweils geltenden Erasmus+-Bestimmungen.

Auch nach dem Abschluss bleibt ein Auslandsaufenthalt möglich: Über „Pro Move“ können Absolventinnen und Absolventen innerhalb eines Jahres nach Abschluss ihrer Ausbildung für bis zu zwölf Monate ins Ausland gehen.

Vielleicht beginnt Europa genau dort: wo Menschen einander begegnen, ihre Gewissheiten für einen Moment offenhalten und entdecken, dass die Welt mehr als eine Sprache spricht. Die Fröbel Akademie lädt ihre Studierenden ein, sich auf diese Entdeckungsreise zu begeben – neugierig auf das, was zwischen Menschen, Orten und Perspektiven entstehen kann.