Wie fühlt sich Lernen an, wenn der Wald zum Bildungsraum wird?

Zwei Tage lang wurde der Grunewald für Studierende der Fröbel Akademie Berlin zum Lernraum unter freiem Himmel.

Gemeinsam mit Jörg Pospiech von der Wildnisschule Schönholz e. V. setzten sie sich intensiv mit Ansätzen der Wildnis- und Erlebnispädagogik auseinander – erfahrungsorientiert, achtsam und im engen Zusammenspiel von Wahrnehmung, Bewegung und Teamgeist.

Im Mittelpunkt stand dabei das genaue Wahrnehmen. Schon ein einfacher Weg durch den Wald offenbarte, wie unterschiedlich sich eine Umgebung zeigt, je nachdem, aus welcher Richtung sie erlebt wird. Übungen mit geschlossenen Augen schärften zusätzlich die Sinne: Die Studierenden ertasteten Baumrinden, spürten Formen und Strukturen und versuchten, einzelne Bäume anschließend wiederzuerkennen. Auch die Erfahrung, mit verbundenen Augen eine Strecke von 50 Metern möglichst gerade von A nach B zu gehen, machte eindrucksvoll deutlich, wie sehr Orientierung von bewusster Wahrnehmung abhängt.

Ein Parcours der Sinne lud dazu ein, sich auf Geräusche, Untergründe, Gerüche und Bewegungen im Wald einzulassen. Dabei wurde der Grunewald zu einem Erfahrungsraum, in dem Aufmerksamkeit, Vertrauen und Selbstwahrnehmung auf besondere Weise gefordert waren.

Neben diesen sinnlichen Zugängen spielte auch das Lernen in der Gemeinschaft eine zentrale Rolle. In Kooperationsspielen und gemeinsamen Aufgaben erlebten die Studierenden, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen, miteinander Lösungen zu entwickeln und als Gruppe Verantwortung zu übernehmen. Teamgeist wurde hier nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erfahrbar.

Ergänzt wurden die pädagogischen Übungen durch praktische Techniken aus der Wildnis- und Erlebnispädagogik. Dazu gehörten unter anderem Feuer machen und Zelte bauen – Tätigkeiten, die Geschick, Absprachen und gemeinsames Handeln erfordern und zugleich zeigen, wie elementare Erfahrungen Lernen nachhaltig prägen können.

Die beiden Tage im Grunewald machten deutlich, welches Potenzial in einer Pädagogik liegt, die Natur als Bildungsraum versteht. Wahrnehmung, Kooperation, Selbstvertrauen und praktisches Handeln verbanden sich auf intensive Weise und eröffneten den Studierenden neue Perspektiven auf Bildungsprozesse. So wurde der Wald nicht nur zum Ort gemeinsamer Erlebnisse, sondern auch zu einem Lernraum, in dem sich pädagogisches Handeln mit allen Sinnen erfahren ließ.